Cheryl Strayed, meine Wanderschuhe & ich

Bisher hatte ich Wandern immer als "Alte-Leute-Sport" gesehen und meine Wanderschuhe nur für Fototouren in Lost-Places (vergessene Orte wie alte stillgelegte Fabriken, Krankenhäuser etc. in der Fotografiewelt genannt werden) verwendet, doch so langsam keimt in mir immer mehr der Wunsch auf, selbst auf eine lange Wanderung zu gehen. Am liebsten als Backpacker mit Rucksack und Zelt. Doch stopp: Hatte ich bisher nicht schon beim kleinsten Gedanken daran, alleine zu zelten, große Angst? Woher der plötzliche Sinneswandel? Trau ich mich wirklich alleine zu zelten? Wohin will ich wandern und wann? Du willst mehr wissen? Super, dann setz Dich mit mir ans Lagerfeuer und ich erzähl Dir die ganze Gechichte:

Das Wandern ist des Müller´s Lust:

 

Seit letztem Jahr schon, plane ich im Sommer 2018 eine Wandertour durch Kroatien zu unternehmen. Kroatien, ein wunderschönes Land voller Abenteuer, traumhaften Buchten, geschichtsträchtigen Orten und ganz viel Natur. Dreimal war ich schon dort, jedes mal bin ich aufs Neue von diesem Land fasziniert: Ich habe zweimal Zagreb besucht und eine Städtetour durch diese schöne Stadt gemacht, bin durch die alten Gassen von Trogir geschlendert und in Split an der Promenade entlanggeschlendert. Ich habe Marco Polo´s Spuren in Korcula verfolgt, den Schakalen auf Peljesac gelauscht und einen Stadtspaziergang durch Dubrovik unternommen. Diese zauberhaften Orte befinden sich überwiegend in Mittel- und Süddalmatien. Nun möchte ich Istrien erkunden und mich dabei nicht nur den Städten sondern vor allem auch der Natur widmen. Am liebsten als Backpackerin mit Zelt. Meine Reise soll eine Mischung aus Wanderungen in der Wildnis und den Nationalparks sowie Sightseeing in den Städten werden.

Ob ich Ahnung vom wandern, zelten und vom backpacken habe? Nicht wirklich. Von mehrtägigen Wandertouren schon mal gar nicht.  Allerdings ist der Drang, neue Wege zu gehen, Neues zu erkunden und neue Fertigkeiten zu erlernen in mir sehr stark. Und habe ich nicht erst in meinem Artikel "100 Dinge bis zum Schluss - meine Bucket List" geschrieben, dass man sich seinen Ängsten stellen soll?

 

Meine Sehnsucht nach neuen Wegen und die Lust aufs Wandern werden in letzter Zeit auch immer mehr durch Filme und Bücher über das Wandern/Reisen genährt. Sei es der Film "Expedition Happiness" von Felix Starck und Mogli, das Buch "Der große Trip - Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst" von Cheryl Strayed, der Film "Das Beste kommt zum Schluss" mit Morgan Freeman und Jack Nicholson oder das Buch "Ich bin dann mal weg" von Harpe Kerkeling (um nur einige zu nennen).

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Cheryl Strayed, meine Wanderschuhe und ich - ein gutes Team!

Der große Trip - Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst

 

Vor allem das Buch von Cheryl Strayed führt mir vor Augen, was man erreichen kann, wenn man etwas wirklich möchte und sich traut, sich seinen Ängsten zu widersetzen:

 

Die Geschichte handelt von ihr selbst. Von ihrer Wanderung über den PCT (Pacific Crest Trail), einen Wanderweg der von Mexico bis Washington verläuft. Durch die Wüsten Kaliforniens, über schneebedeckte Berge, durch die Wäder Oregons bis zum Bundesstaat Washington. Cheryl läuft los - Ohne Training und mit kaum Kenntnissen über das Wandern oder wie man einen Kompass oder einen Eispickel benutzt (den sie benötigt um nicht in eisiger Höhe in den Tod zu rutschen). Die Geschichte ihrer Kindheit war nicht einfach, als junge Frau nach dem Tod ihrer Mutter hat sie ihr Selbst verloren und hofft es auf dem PCT wieder zu finden. Cheryl möchte sich nach erfolgreicher Wanderung in Washington niederlassen und dort ein neues Leben beginnen. Oft sieht es aus, als schafft sie es nicht, als müsse sie umdrehen und einsehen, dass sie sich zuviel vorgenommen hat. Doch sie schafft es! Cheryl eignet sich die fehlenden Fertigkeiten an, überwindet ihre Angst, zeltet in der Wildnis, schlägt einen Bären in die Flucht und erreicht ihr Ziel: Die Brücke der Götter!

 

Ein unglaubliches Buch und eine unglaubliche Frau! Sie zeigt uns allen:

 

Alles ist möglich und es ist vor allem möglich, dies auch als Frau zu tun!

Allein!

Warum fasziniert mich dieses Buch so?

 

Bin ich bisher nur zusammen mit meinem Kind, meinem damaligen Lebensgefährten oder anderen Begleitern auf Reisen gegangen, schwillt schon lange (nicht erst seit diesem Buch) der Wunsch in mir, einmal komplett alleine zu verreisen. Nur meinem Tempo, meiner Laune und meiner Lust folgen, nur zu tun, was MIR Spaß macht. Und vor allem:

 

Einfach mal bei mir selbst ankommen!

 

Wer mich privat kennt, der weiß:

 

In meinem Alltag als berufstätige, alleinerziehende Mama, toure ich oft auf Geschwindigkeiten von bis zu 180 km/h oder mehr und das nicht erst seit gestern! Bereits mit 13 hatte ich meinen ersten Nebenjob als Prospektverteilerin und Hundeausführerin, mit 16 jobbte ich nach der Schule täglich in einer Lackfabrik, mit 18 hatte ich 4 x die Woche bis Mitternacht (neben meiner tgl. Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten) einen Nebenjob als Spülhilfe und danach im Alter von 19 bis 23 einen Job als Putzhilfe in einem Privathaushalt und hin- und wieder als Servicekraft bei Events. Mit 25 war ich plötzlich alleinerziehend, ohne jeglichen Familienanschluss vor Ort, und ging nach 3 Jahren Elternzeit erst Vollzeit und jetzt wieder Teilzeit (30h/Woche) arbeiten. Seit meinem 13. Lebensjahr hatte ich also immer zwei Jobs und bis heute finde ich nur äußerst selten zur Ruhe. Vor allem innerlich. Zu lange schon rattert dieser Hochgeschwindigkeitszug in mir. Von meiner nicht immer unbeschatteten Kindheit, den vielen Umzügen als Kind (und auch später meinen eigenen Umzügen) will ich gar nicht erst anfangen. Nur, dass ich meiner Mutter danken möchte, dass sie immer versucht hat, das Beste für uns zu erreichen und selbst viel über ihre eigenen Grenzen gehen musste und gegangen ist! Danke Mama!

Cheryl Strayed hat mir mit ihrem Buch geholfen, zu bennenen, was ich schon seit geraumer Zeit in mir fühle:

 

Ich muss meinen Weg auch mal alleine gehen.

Alleine in der Wildnis, allein auf mich gestellt.

Alleine zur Ruhe kommen.

Alleine nachdenken.

Alleine zu mir selbst finden.

 

Vielleicht finde ich auf einer Wanderung die Ruhe, die ich suche. Vielleicht lerne ich auch einfach nur neue Fertigkeiten und lerne dabei viel Neues über mich. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass der Wunsch schon sehr lange in mir steckt und es endlich Zeit ist, diesem nach zu gehen.

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Natur pur

Was heißt das jetzt genau?

 

Bären in die Flucht schlagen? Ganz allein in der Wildnis campen? Über Eisgletscher kraxeln? Nein, so todesmutig wie Cheryl Strayed bin ich noch lange nicht. Außerdem war sie damals 26 und kinderlos, hatte nur Verantwortung für sich zu tragen. Bei mir zuhause wartet immer noch Junior und ich trage nicht nur Verantwortung für mich sondern auch für ihn. Wieder ein kleiner Hemmschuh, der sich mir da anzieht aber einen, den ich sehr gerne trage. Von daher werde ich nicht wie Cheryl völlig unvorbereitet nach Kroatien reisen um loszuwandern. Schon bei dem Gedanken ganz allein auf einem Zeltplatz zu übernachten, pochte mein Herz bislang immer sehr schnell. Aber irgendwann muss man einfach mal anfangen, seine Gedanken in die Tat umzusetzen, oder etwa nicht? Ich fühl mich jedenfalls immer unvollständig, wenn ich es nicht tue. So also nächstes Jahr:  Kroatien! Hier gibt´s zwar auch Bären, giftige Schlangen und Schakale... aber nuja.... noch bin ich ja in Deutschland. Lieber erstmal nicht drüber nachdenken, lach.

 

Kroatien will und muss trotzdem etwas vorbereitet werden. Vor allem was meine Füße betrifft: Seit einem schweren Sturz vor über einem Jahr (Knochenprellung und Bänderanriss), habe ich Probleme mit meinen Füßen. Beidseits quälen mich schon lange Schmerzen. Mehr wie 2-3 Stunden am Stück sind eigentlich nicht drinn mit laufen. Hocken, anlaufen nach kürzerem bzw. längerem Sitzen ist sehr schmerzhaft. Ein MRT vom linken Fuß steht jetzt an. Laut Arzt liegt keine Entzündung vor und wandern dürfte ich. Hmm... dann bin mal gespannt, was beim MRT rauskommt.  Von meinen ganzen anderen körperlichen Beschwerden will ich jetzt mal nicht erzählen. Ich will mich von meinem Körper im zarten Alter von 35 Jahren einfach nicht klein kriegen lassen.  Auf Hochtouren kann ich ihn natürlich auch nicht sofort bringen, deswegen gibt es ab sofort Training:

 

Schwimmtraining, Radtraining und vor allem:

 

Wander-Training.

Training auf dem Spessartweg

 

Von einem Bekannten habe ich vom "Spessartweg 1", einem Wanderweg hier in Unterfranken gehört. 2006 wurde dieser zum Qualitätswanderweg bestimmt und führt von Aschaffenburg  vorbei an unzähligen Sehenswürdigkeiten wie das Schloss Rothenbuch, Kloster Schmerlenbach, der Teufelskanzel, der Schneewittchen-Stadt Lohr und vielen mehr bis nach Gemünden. 

Überwiegend läuft man dabei durch unseren schönen Spessart, Deutschland´s größtes zusammenhängendes Laubwaldmischgebiet. Die Strecke beträgt 62,5 km, 1671 Höhenmeter, der höchste Punkt liegt bei 506 Metern. Für Anfänger sei der Spessartweg gut geeignet und es gäbe viele Unterkünfte am Wegesrand. Im Schnitt sind 2-3 Tagesetappen für diese Wanderung vorgesehen und es liegen einige Bahnhöfe in der Nähe. Was bietet mir also eine bessere Vorlage, als der Spessartweg, um das "alleine wandern" mal zu erproben? Wenn ich es doch nicht durchhalten sollte (körperliche Schmerzen z.B.) oder von der Zeit nicht hinkomme, kann ich mit dem Zug einfach wieder nach Hause fahren.

 

Bisher bin ich nur Strecken von bis zu 12 km gelaufen, die letzte bei Schnee und Eis von Haibach Dorfmitte bis Straßbessenbach und wieder hoch zur Gaststätte "Tenne" bei Hösbach-Winzenhohl. Ein schöner kleiner Rundweg. Meinen rechten Fuß habe ich danach noch wochenlang schmerzhaft gespürt. Für den Spessartweg habe ich mir 20 km pro Tag vorgenommen, übernachten möchte ich in Rothenbuch und in Lohr. Da ich derzeit Vertretung auf der Arbeit habe, wird die Umsetzung wohl leider noch etwas dauern, denn leider kann ich mir keinen Freitag für diesen Trip frei nehmen. Aber, gut Ding will Weile haben und am kommenden Samstag bietet sich schon eine Wanderung in der Gegend von Gelnhausen an. Dies wird zwar keine Mehrtageswanderung aber jeder fängt mal klein an. :)

HaibachMelanieaufReisenCherylStrayed
Blick auf Haibach

Natürlich werde ich über diese Wanderung auf dem Spessartweg gesondert berichten und es werden noch einige weitere Ausflüge in Deutschland dazu kommen auf denen ich dann Kenntnisse wie kochen mit dem Campingkocher, Kompass lesen, etc. erlernen möchte bevor es dann heißt: Auf nach Kroatien!

 Da fällt mir ein Gespräch zwischen mir und meinem Sohn aus den letzten Tagen ein:

 

"Immer höre ich nur, dass du dies und jenes früher tun wolltest", sagt er.

"Früher hatte ich halt Angst, meine Pläne, Träume und Ziele umzusetzen. Ich wußte nicht wie das geht. Aber weil man nie weiß, wieviel Zeit einem bleibt, mache ich es jetzt!" war meine Antwort darauf.

 

Ich bereue es schon, dass ich es mit 20 nicht nach Australien geschafft habe; Ich will es nicht auch noch bereuen, Kroatien nicht erwandert zu haben!

 

Oder wie Johann Wolfang von Goehte einst sagte:

 

Nur wo Du zu Fuß warst, bist Du auch wirklich gewesen!

 

Berg heil und sportliche Grüße

 

Melanie

Warst Du schon einmal in Kroatien wandern oder sonst irgendwo alleine als Frau auf Backpacker-Tour? Natürlich dürfen auch gerne Männer antworten, die bereits alleine auf Tour waren, ob in Deutschland, Kroatien oder wo sonst auf dieser Welt. ;-) Wie hast du Dich dabei gefühlt? Was waren Deine Highlights und was hat Dich fast wahnsinnig gemacht? Kennst Du den Spessartweg und bist ihn vielleicht sogar schon mal gelaufen? Welche Tipps kannst Du mir fürs backpacken mitgeben? Ich freu mich über Deine Anregungen, Tipps und Komentare!

 

Gerne darfst Du den Beitrag auch teilen und weiter empfehlen!

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Kommentare: 2
  • #1

    Marian (Freitag, 01 September 2017 07:19)

    Wow, ein wirklich toller Beitrag! Finde ich super ausführlich und gelungen! � Wandern... wie spannend! Und die Idee mit dem Spessartweg einmal "Probe" zu laufen, ist auch super! Ich wünsche dir genug Mut und ganz viel Erfolg! Halte mich auf dem Laufenden. �

  • #2

    Melanie von MelanieaufReisen (Dienstag, 05 September 2017 11:50)

    Hallo Marian,

    vielen lieben Dank für dieses tolle Lob! Ich freu mich sehr, dass Dir der Beitrag so gut gefällt. Ja, spannend allemal und ich halte Dich definitiv auf dem Laufenden! Viel Spaß noch in Schottland!! :)

    Bis bald und ganz liebe Grüße

    Melanie