Zwangspause vom Reisen - und wie es sich anfühlt

Jeder von uns kennt Zeiten, die nicht so schön sind, wo es auch mal richtig holpert und ungemütlich werden muss, bevor sich die Wolken wieder verziehen. Wichtig ist dann einzusehen, dass es ok ist, nicht immer nur der/die Starke sein zu wollen und dass es manchmal einfach Auszeiten benötigt, um sich wieder zu sammeln, wieder Kraft zu tanken.

 

Normalerweise erzähl ich Dir nicht soooviel persönliches über mich auf diesem Blog, es sei denn, es dreht sich um´s Reisen und fotografieren. Zuviel ist jedoch in den letzten Monaten passiert als dass ich es nicht erwähnen sollte. Und gehört zum bloggen nicht dazu, auch mal persönlich zu werden? Zu sagen, wo der Schuh drückt? Ich denke schon und daher bekommst Du hier mal etwas ganz persönliches von mir zu lesen:

Lange wollte ich selbst nicht wahr haben, was mich dann doch eingeholt hat: Die Realität! Ich hab immer weiter gemacht, gekämpft und die Arme hochgekrempelt, versucht in allen etwas positives zu sehen und die Starke zu sein. Für mich und für mein Kind. Doch dann der Schlag! Ich hab ihn gar nicht kommen sehen, nicht gehört und geglaubt er geht an mir vorüber. Aber er ist gekommen. Er hat mich wieder auf den Boden zurück geholt und mir gezeigt: Mach mal langsam! Und er hat mir gezeigt, dass die Realität auch enorm viel Kraft, Energie und Geld kosten kann.  

 

Was war passiert?

In den letzten 8 Monaten bin ich zweimal umgezogen (Zusammenzug mit Ex-Partner; Trennung vom Ex-Partner), habe versehentlich einen Wasserrohrbruch in der Wohnung unter mir verursacht und ziemlich viel Sorge und Geld beim Tierarzt gelassen. Was Du vielleicht noch nicht weißt:

 

Außer meinem Junior gehört seit 16 Jahren auch meine allerliebste Stubentigerin zu mir. Die Kleine war in den letzten 3 Monaten ständig beim Tierarzt und wer selbst ein Tier besitzt kennt es: Tierarztbesuche sind wahre Geldfresser und sich dauerhaft Sorgen um sein liebstes Tier zu machen zieht eine Menge Energie aus den Knochen.

 

Ich bin zwar schon immer ein Steh-Auf-Mädchen gewesen, lasse mich nicht leicht kleinkriegen und versuche immer das Positive auch im Negativen zu sehen, doch so langsam muss auch ich einsehen:

 

Mein Energieakku ist leer, das Geld ist knapp -

 

Ich MUSS Pause machen.

 

Pause vom Alltag, Pause vom Rund-um-die-Uhr funktionieren...und was mich dabei zusätzlich zu Boden zieht aber gerade unumgänglich ist: 

 

 Ich muss eine Zwangspause vom Reisen machen!

Warum gerade dabei die Zwangspause vom Reisen so schlimm für mich ist? Ist doch nur ein reines "Luxusproblem" könnte man meinen, gibt ja schlimmeres. Ja, klar gibt es das. Und ja, vielleicht ist es nur ein "Luxusproblem" aber wer mit dem Reisevirus so infiziert ist wie ich, dem geht es bei dem Gedanken, eine zeitlang nicht mehr reisen zu können, sicher genauso. Bisher drehte sich in meinem Kopf ständig das Karussell von "Wo geht es hin? Was kostet es dort hin zu fahren/fliegen? Was möchte ich dort sehen/erleben? Was kommt als Nächstes?" Die meiste Zeit in meiner Freizeit verbrachte ich mit Lesen von Reiseblogs, durchstöberte Preismaschinen nach günstigen Flügen und Unterkünften, plante und recherchierte schon Monate im Voraus. Das hat auch alles sehr viel Spaß gemacht, gab mir viel Grund zur Freude, hat uns neue Erlebnisse und Abenteuer beschert und den Lerneffekt für mich und auch Junior mal nicht zu unterschätzen.

 

Jetzt aber ist erstmal Pause angesagt.

 

Ich bin schon immer sehr günstig verreist aber auch das kostet Geld. Meine Rücklagen sind aufgebraucht, für Notfälle oder unvorhergesehenes ist nichts da. Im nächsten Jahr steht eine Klassenfahrt meines Sohnes an, gerade Kinder brauchen immer mal wieder etwas neues für den Sport, die Schule, etc. 

 

Und was ich viel zu lange nicht sehen wollte: Die Anzeige meines Energieakkus leuchtet bedrohlich orange/rot! Vor neun Jahren litt ich unter Burn-Out. Mit gerade mal 26 Jahren. Damals alleinerziehend mit einem dreijährigen Sohn und einem Halbtagsjob in Frankfurt. Auch das waren Zeiten die sehr an mir gezerrt haben. Nachts panisch aufzuwachen, tagsüber nicht mehr klar denken oder handeln zu können, überfordert sein von den kleinsten Sachen: Dorthin möchte ich nicht mehr zurück! Deswegen MUSS ich jetzt kürzer treten.

 

Eine Krux eigentlich -

 

Bringt doch gerade das Reisen immer viel neue Energie und Erholung!

 

Derzeit bringt mich aber gerade auch das Gedankenkarusell "wohin, wie lange, wie weit, mit wem" an den Rand meiner Kräfte und Nerven. Trotzdem ist das Fernweh da und wie sehr ich momentan unter Fernweh leide kann ich gar nicht in Worte fassen - die Reiseblogger oder Vielreiser unter uns können es sicher nachvollziehen. Dazu noch zu wissen, dass wir jetzt erstmal nicht reisen können fühlt sich an, als reisst es einem das Herz raus. Hinaus in die Welt zu gehen öffnet einem die Augen für das Wesentliche, man lernt viel über sich selbst und über neue Länder. Es macht einfach Spaß und bringt Freude ins Herz. Nicht verreisen zu können fühlt sich an, als darf man nicht nach Hause. Klingt seltsam? Ist aber so.

 

Aschaffenburg ist meine Heimat - die Welt mein Zuhause.

Kijkduin in Holland - da weitet sich das Herz
Kijkduin in Holland - da weitet sich das Herz

Was also nun tun? Kopf in den Sand stecken und selbst bemitleiden? Nix da, meine Devise lautet schon immer:

 

NICHT AUFGEBEN!

 

Es ist zwar hart, dass bald die Sommerferien vor der Tür stehen und wir nicht wegfahren können ABER die Ferien sind eben auch die teuerste Zeit zum verreisen. Außerdem wimmelt es fast überall vor Touristen! Die Unterkünfte sind preislich viel höher als außerhalb der Ferien, es gibt oft ewig lange Schlangen vor den Sehenswürdigkeiten und zu heiß ist es oft auch noch! Da kann man ja fast von Glück reden, dass wir erstmal nicht wegkönnen, lach.

 

Nein, so ist es auch nicht. Schließlich sind die Sommerferien neben den Pfingstferien die einzige Möglichkeit mal länger wie eine Woche weg zu fahren. Nun denn, geht halt momentan nicht! Ich will aber wenigstens versuchen, ein paar Tagesausflüge mit meinem Sohn zu unternehmen, Verwandtschaft und Freunde in Deutschland zu besuchen und Aktivitäten hier vor Ort zu planen und zu genießen. Nicht umsonst wohnen wir in einer Region in der viele auch zum Urlaub machen herkommen. "Das bayrische Nizza" wird unsere schöne Stadt auch genannt und ja "Sommer in Aschaffenburg" kann schon toll sein. :-)

 

Ganz wichtig jedoch: Runterkommen! Abschalten, freie Zeiten genießen, nicht ständig alles auf einmal erledigen wollen. Schwer, wenn man wie ich immer Hummeln im Hintern hat, grins. Aber... jetzt ausruhen und auch Geld sparen bedeutet nicht das Ende des Reisens sondern Kraft und Geld für neue Abenteuer sammeln. Bald wieder ausgeruhter ins Leben springen zu können.

Paddeln in einem der schönsten englischen Landschaftsgärten in Deutschland - das gibts nur im bayrischen Nizza :-)
Paddeln in einem der schönsten englischen Landschaftsgärten in Deutschland - das gibts nur im bayrischen Nizza :-)

Was kann man noch positives aus einer persönlichen Krise ziehen? Kein Geld? Doof. Aber nicht so schlimm um zu verzweifeln. Jedenfalls nicht, wenn es noch zum Essen kaufen reicht, man ein Dach über den Kopf hat und was ordentliches zum anziehen. Mehr braucht der Mensch doch eigentlich gar nicht! Oh doch, sorry:

 

Freunde, Gesundheit, Zufriedenheit und Hoffnung. :-)

 

Das ist eigentlich schon immer meine Lebenseinstellung gewesen und ich bin damit bisher auch sehr gut gefahren. Meinem Sohn hab ich dies wohl leider zu erfolgreich weitergegeben, kommt mir hin- und wieder der Gedanke, wenn er bei der Diskussion übers Lernen argumentiert: "Ich brauch keine guten Noten. Wenn ich später Freunde habe und gesund bin reicht das doch vollkommen!" Teenager, grins.

 

Früher dachte ich, shoppen macht glücklich. Heute weiß ich: Es ist das reisen was glücklich macht und nicht die Deko in der Wohnung. Die nervt einen eh irgendwann, wenn sie wieder eingestaubt ist. Umkehrschluss: Unglücklich, wenn man nicht verreisen kann? Ja, ich schon. Aber:

 

Hoffnung nie aufgeben!

 

Einfach mal überlegen, wie könnte es trotzdem mit dem verreisen klappen wenn das Geld eng sitzt? Freunde und Verwandte in Deutschland besuchen hatte ich schon aufgeführt. Weitere Möglichkeiten: An Gewinnspielen teilnehmen, Zelt und Schlafsack bei Freunden ausleihen und mal die Seite "Camp in my Garden" ausprobieren, vielleicht sogar in Verbindung mit einer Fahrradtour. Kostet nur Muskelkraft und ein bißchen was für die Übernachtung. Verpflegen müsste man sich zuhause ja auch. ;-) Es gibt so viele tolle Sachen und Orte, die man sich kostenlos ansehen kann. Einfach mal ein bißchen im Internet recherchieren. Was ich dabei auch oft nutze: Diverse Radiosender wie "Hit Radio FFH" oder "Antenne Bayern" haben die Sparte "100 Dinge, die man in Hessen/Bayern erlebt haben muss". Da sind ganz oft auch kostenlose Unternehmungen dabei.

 

Außerdem wird man durch eine Krise (kein Geld, keine Energie) zum Umdenken gezwungen: Was kann ich mir Gutes tun, damit es mir bald wieder besser geht? Woraus kann ich Kraft ziehen, was macht mir Freude?

 

Hier kann ich Spaziergänge in der Natur empfehlen, Freunde treffen, viel lachen aber sich auch Zeit einfach mal nur für sich nehmen. Nein sagen, wenn es einem zuviel wird. Egal bei was. Auf seinen eigenen Bauch hören. Der sagt einem schon gut wo es langgeht, man muss ihm nur zuhören!

 

Man kann es nicht jedem Recht machen,

das wichtigste im Leben bist Du selbst!

 

Ich geb´s zu: Ich vergesse das auch zu gerne aber an Tagen wo ich merke "Akku sinkt", denke ich ganz schnell daran und versuche es umzusetzen. Bringt ja nichts umzukippen. Mir nicht und auch meinem Sohn nicht. Es ist nicht schlimmes dabei seiner Familie oder seinen Mitmenschen zu sagen: "Hör zu, ich kann grad nicht mehr". Wer wirklich für Dich da sein will, versteht diese Aussage und lässt Dir Zeit und Raum für Dich. Du musst es nur umsetzen!

Sich einfach mal nur Zeit für sich nehmen - wichtig um nicht unterzugehen
Sich einfach mal nur Zeit für sich nehmen - wichtig um nicht unterzugehen

Zum Thema Einsparpotenzial:

Es gibt viele Wege um Geld zu sparen. Der erste ist, es nicht auszugeben. ;-) Verpflichtungen wie Miete, Strom, etc. sind klar zu erfüllen und die wichtigsten Ausgaben müssen getätigt werden aber hast Du schon mal über Dein Konsumverhalten nachgedacht? Nicht alles was im Laden steht, braucht man auch. Ich z. B. kaufe mittlerweile nur noch ein was ich wirklich brauche. Beim Lebensmitteleinkauf überlege ich vorher, was ich benötige, schreibe mir eine Liste und versuche mich auch so gut es geht daran zu halten. Profis unter den Haushaltsexperten machen sich noch eine Wochenliste mit Rezepten um nicht in Versuchung zu kommen. Daran scheitert es bei mir noch. ;-)

 

Was kann man noch einsparen? Muss es wirklich das dritte paar Turnschuhe sein? Reichen nicht zwei? Verstaubt die schöne Vase nicht eher, bevor sie benutzt wird? Reicht es nicht, sich den Film auf DVD auszuleihen anstatt ihn zu kaufen? Gibt es die Möglichkeit den Kinotag mit vergünstigtem Preis zu nutzen oder muss es extra der Samstag-Abend sein?

 

Eine Kollegin gab mir mal den Tipp, vor dem Kauf von bestimmten Dingen, an folgendes zu denken:

 

Brauch ich es wirklich?

Wie lange musste ich dafür arbeiten (Stundenlohn umrechnen!)?

 

Und der schönste Gedanke den sie mir mitgab:

 

Alles was Du zum anschauen hinstellst, musst Du beim Putzen wieder hochheben! 

 

Was soll ich sagen? Sie hat sooo Recht! Oft kauft man sich was schönes ohne vorher zu überlegen, ob man es wirklich braucht und wie lange man dafür gearbeitet hat. Meist steht es dann nur unnütz rum (weil es ja ach so schön aussieht) um irgendwann wieder weg geworfen zu werden. So ging es mir früher oft. Wenn ich daran denke, welche schöne Reisen ich mit dem Geld hätte unternehmen können... ui, ui, ui. Heute ist mein Denken ein völlig anderes geworden: Bei dem letzten Schmuck den ich mir gekauft habe (3 Pandora-Anhänger für 80 EUR) dachte ich erst noch "Ich muss mir jetzt was gönnen, wenn ich schon nicht wegfliegen kann" und als ich sie dann am Arm hatte, kam mir sofort der Geanke, dass ich mit diesen 80 EUR ja auch hätte wegfliegen können. Hmm.... seitdem rechne ich mir gedanklich auch noch um, welche Ausflüge oder Reisen ich mit dem Geld machen könnte, was ich gerade versucht bin auszugeben.

 

Zum Thema "Einsparpotential" werde ich demnächst noch in einem eigenen Beitrag zurück kommen, denke Du hast da sicher auch noch den ein oder anderen Tipp für mich.

Puh, jetzt weißt du eine Menge persönliches über mich. Warum ich Dir das alles erzählt habe?

 

Weil ich wußte:

 

Menschen, die es lieben zu verreisen - die verstehen mich!

 

Wer selbst so mit dem Reisevirus infiziert ist wie ich und zudem vielleicht auch noch unter Fernweh leidet, der weiß, was das für Höllenqualen sind und dass es so richtig kirre machen kann. Vielleicht hast Du ja noch Tipps und Tricks für mich, wie es doch noch mit dem Verreisen klappt und auch, was ich noch für meine innere Ruhe und Kraft tun kann? Was für Spartipps hast Du auf Lager? Spätestens in den bayrischen Herbstferien möchte ich wieder versuchen eine Woche zu verreisen.

 

Ich freu mich immer über rege Beteiligung und Kommentare!

 

Liebste Grüße

 

Deine Melanie

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